Das Leben des Brian Jürgen Gutowski

11.5.2011

Himmlische Airbags – Erinnerungen an Südafrika

Filed under: Lebensgeschichten — Jürgen Gutowski, Publizist @ 11:12

Bis vor kurzem lebte ich in Südafrika, ingesamt drei Jahre lang. Meine Frau, die bei Daimler in East London arbeitete, hatte mich dorthin verschleppt. Ich habe mich gerne verschleppen lassen, denn nach mehr als 20 Südafrikareisen seit 1994 war ich dem Land am Kap der Guten Hoffnung stets hold und bin es bis heute. Wir lebten am Leadwood Place im Stadtteil Beacon Bay, ein paar Minuten vom schönsten Strand des Indischen Ozeans entfernt. In einem Traumhaus mit zwei Etagen, Doppelgarage, Springbrunnen unter Mangobäumen, zwei Angestellten und einer High-Tech-Alarmanlage mit Bewegungsmeldern und privaten Cops, die bei Alarm über die Mauer sprangen. Wir gehörten zur Klasse der “Happy Few”, also zu den 6 Prozent der Bewohner dieses schönen Landes, die mehr als 1000 Euro monatlich überwiesen bekamen. Waren wir deshalb glücklicher als die restlichen 94 Prozent, die zum großen Teil in Zuständen der Armut leben, die sich ein durchschnittlicher Mitteleuropäer mit mittlerem Fantasiepotenzial nicht mal im Traum vorstellen kann? Wenn ich an die Gespräche mit anderen Expats denke, ab welcher Höhe eine Mauer unseren Reichtum schützen kann, oder ob die 50 Euro-Cent für den Autowächter vorm Restaurant die “Preise kaputt machen” könnten, dann muss ich diese Frage verneinen. Und wenn ich an Eunice, unsere Haushälterin, denke, muss ich sie erst recht verneinen. Eunice hatte ihren Mann und einen Sohn verloren, die beide an AIDS gestorben waren. In fast jeder südafrikanischen Familie schlägt diese Krankheit zu, sie hat dazu geführt, dass sich die durchschnittliche Lebenserwartung der Südafrikaner von 65 auf 43 Jahre verkürzt hat. Die Lage hat sich kaum verbessert. Wie auch, wenn der frühere Präsident Mbeki den Zusammenhang von HIV und AIDS stets leugnete und der gegenwärtige Präsident Zuma öffentlich behauptete, Duschen nach dem Geschlechtsverkehr mit Infizierten wäre ein wirksamer Schutz vor Ansteckung. Eunice hatte da mehr Ahnung als beide Präsidenten zusammen. Aber sie hatte noch etwas anderes, was viele Besucher Afrikas “ansteckt”, auch in “positiver” Weise infiziert: Den “Geist von Ubuntu”. Eine Lebensfreude, die jeden umarmt, der es zulässt. Eine Herzenswärme, die gespeist wird aus einer tiefen Spiritualität, die jeden Schicksalsschlag abfedert wie ein himmlischer Airbag. Ein Soul aus ansteckendem Lachen und ergreifendem Weinen, pulsierendem Rhythmus im Herzenstakt, einem Akzeptieren ohne Wenn und Aber. Wenn es gelebte Toleranz gibt, dann in Afrika. Sie ist den Afrikanern wie Tanz, Musikalität und Spiritualität in die Wiege gelegt. Egal, wie verrückt sich jemand kleidet, wie schräg er singt, wie dick oder dünn er ist, wie abwegig er denkt oder spricht: er gehört dazu und sitzt selbstverständlich am Tisch aller. Und auf dem Tisch stehen Gläser, die allesamt halbvoll sind, nie halbleer.

Dazu eine kleine Anekdote: Ich war nach einem Jahr in Südafrika wieder nach Deutschland geflogen. Es war ein wunderbarer, sonniger Frühlingsmorgen Ende April, als ich über die leuchtenden Rapsfelder Niedersachsens in Hannover einflog. Ich freute mich unheimlich, wieder zuhause zu sein, ich freute mich auf meine Freunde und Kollegen, auf richtiges Brot und die Hochzeitssuppe in der Markthalle. Draußen vor dem Flughafen-Terminal stieg ich in ein Taxi, immer noch ganz high von diesem ergreifenden Moment, und rief dem Taxifahrer enthusiastisch zu: “Was für ein wunderbarer Frühlingstag!!!” Seine Antwort bestand aus vier Worten, die er aber in einem Wort rauszischte: “istmorgenwiedervorbei!”

Eine Woche vorher in Beacon Bay war ich mit unserm Wagen zur Tankstelle gefahren. Es regnete, seit Tagen schon goss es in Strömen, ziemlich ungewöhnlich für das südafrikanische Eastern Cape mit seinen mehr als 300 jährlichen Sonnentagen. Von weitem sah ich schon die Tankwarte zwischen den Zapfsäulen herumswingen, aus den Lautsprechern unter der Decke dröhnte Radio Algoa FM, und mangels Mädels tanzten die Sprit-Boys mit den Benzinschläuchen. Ich ließ das Fenster runter und brüllte durch Regen und Reggae: “Mann, was für ein Scheißwetter!” Der Tankwart lachte schallend und rief zurück: “Ja, Mann, aber die Frösche sind happy!”

Du kannst Afrika verlassen, aber Afrika verlässt dich nie.

Text & Foto © by Jürgen Gutowski

10.5.2011

1700 PS – Tiefflieger mit TÜV-Zulassung

Filed under: Autogeschichten — Jürgen Gutowski, Publizist @ 17:05

Die stärkste Cobra der Welt kommt aus dem Harz

Wolken hängen über den sanften Hügeln des Vorharzes, die Vögel zwitschern friedlich hier im Dörfchen Ackenhausen vor den Toren des niedersächsischen Kurortes Bad Gandersheim. Noch ist alles still und Schmidts Katze döst nichts Böses ahnend auf dem Sims. Doch dann flattert ein fernes Fauchen dumpf und röhrend durch die dörfliche Stille. Kommt schnell näher, und hast du nicht gesehen, steigert sich das Geräusch binnen Sekunden zu einem infernalischen Gebrüll mit den akustischen Zutaten eines afrikanischen Donnerwetters plus entsprechender Löwenbande.

Das Großhirn signalisiert Flucht, der Katze stehen die Haare zu Berge, bevor sie panisch um die Ecke flieht. Claus Weineck (54) bremst die beinahe profillosen 315er Rennwalzen seines schwarz-weißen Oldies auf dem Hof seiner Schrauberlaube und steigt so gelassen aus dem Tiefflieger, als käme er gerade vom Milchholen. Stopp mal, ein Oldie ist das hier nicht, oder? „“Nur die Form der Karosserie haben wir von der 65er Cobra übernommen, alles andere ist nagelneue Renntechnik!“” Kohlefaserverstärkt -– Airbus A 380 lässt grüßen -– ruht der rundliche Body auf dem massiven Rohrrahmen aus vier Zoll starkem Molybdänstahl.

Ein paar Zahlen machen deutlich, dass bei diesem Auto alle gängigen Begriffe aus der Welt der mobilen Fortbewegung versagen: Aus 16 Litern Hubraum zieht die Kampfmaschine die gesammelte Kraft von 15 japanischen Kompaktwagen: 1200 PS reichen aus für rund 400 km/h Spitze. Und wenn das immer noch zu trödelig erscheint, schaltet der Fahrer noch mal 500 PS aus dem Nitro-Oxygentank -– sprich aus der Lachgasflasche – zu, ganz einfach per Knopfdruck. Was einer Verdreifachung des Drehmoments von eh schon 1350 Newtonmeter gleichkommt! „„Habe ich aber noch nie gemacht, weil es einfach keine Straßen für diese Geschwindigkeiten gibt.”“ Bis 380 Stundenkilometer hat Claus die Cobra schon getestet, „„aber da war noch reichlich Luft unterm Pedal.“” Die Beschleunigung des Weineck-Vehikels macht jeden klassischen Drag Racer zum Bollerwagen, jeden Ferrari zum Tretauto. Kein Porsche oder Maserati geht eben selbst bei Tempo 200 noch ab wie Schmidts Haustier: „“Als würdest du einem Porsche im ersten Gang die Peitsche geben!“” In 2,8 Sekunden erreicht die Cobra Tempo 100, erst bei 160 km/h schaltet Claus in den zweiten Gang und erreicht nach weiteren drei Sekunden die 200 km/h-Marke. Kein Wunder, dass ein Vierganggetriebe bei diesen Übersetzungen völlig ausreicht. Dass es sich dabei um ein Viergang-G-Force Getriebe mit plasmagehärteten, gradverzahnten Getrieberädern handelt, das praktisch raketenähnliche Sprints ermöglicht, dass außerdem eine explosionssichere Kupplungsglocke vorhanden ist, dazu Fangbänder um den Antriebsstrang, ein Schraubfahrwerk mit Einzelradaufhängung und Titanfedern rundum sowie die Brembo Bremsanlage -– das zeigt zum einen, dass hier nur das Feinste vom Feinen verbaut wurde, und außerdem beruhigt es den Laien ungemein.

Ohne Extras investiert der rennhungrige Fahrer in etwa die Summe in den Wagen, die auch auf der Rechnung für einen Bentley Mulsanne oder Rolls-Royce Phantom erscheint. Doch es stehen auch gezähmte Cobras, jede ein Unikat, jede handgemacht nach den Wünschen des Kunden, auf der Angebotsliste der Harzer Boliden-Manufaktur: Ab etwa 140.000 Euro ist man dabei. Die gedrosselten 550 bis 800 PS Cobras aus der Rennerschmiede von Claus Weineck haben – gemessen an den Durstwerten der Monster-Cobra – den Vorteil, weniger als 80 Liter Rennbenzin auf 100 Kilometer wegzuspülen, sie begnügen sich mit 25 Litern Super-Plus von der Tankstelle. Dass auch die verkehrsberuhigten Cobras jeden Porsche stehen lassen, „“das ist ja ganz klar. Und – nachrüsten kann man immer!““

© 2011 by Jürgen Gutowski

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Fotos © www.weineck-power.de



 

Das Leben des Brian

Filed under: Bildgeschichten,Lebensgeschichten,Liebesgeschichten,Weltgeschichten — Jürgen Gutowski, Publizist @ 14:37

Im Ernst, im Englischunterricht der 5. Klasse mussten wir uns einen englischen Namen aussuchen, mit dem uns Fräulein Scholz (the most beautiful English teacher of the sixties, by the way) dann ansprach. Ich hatte noch überlegt, soll ich Richard nehmen oder Brian? Denn Cliff Richard und Brian Jones fand ich geil, auch wenn dieses Wort damals zum sofortigen In-der-Ecke-stehen geführt hätte. Brian machte das Rennen, denn ich fand die Rolling Stones schließlich doch cooler als den gerade fromm gewordenen Richard. Auch der damalige Hit der Stones „“Let’’s spend the night together”“ hatte nachhaltig Eindruck auf mich und später auch auf Fräulein Scholz gemacht, als sie nämlich englische short forms mit uns durchnahm und der 11-jährige Brian – die inkarnierte short form – ihr genau mit diesem schönen Satz „“Let’’s spend the night together“…” den hübschen Kopf derart verdrehte, dass sie dem ungezogenen Schööler mit dem Lineal einen leicht schmerzhaften, wenngleich glückseligen und bis heute unvergessenen Mittelscheitel zog.

OK, dies ist der erste Eintrag aus dem Leben des Brian. Ein paar Jahre sind inzwischen ins Land gegangen. Aber ich sage euch: Brian lebt! Ihr werdet es mit eigenen Augen sehen. Und hören!

Brian, ein paar Jahre später

Ah, bevor ich es vergesse: Hier ist der besagte Song:

Fräulein Scholz gewidmet in ewiger Liebe!

Ihr Brian

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