Das Leben des Brian Jürgen Gutowski

13.7.2011

Songs und Poesie

Filed under: Lebensgeschichten — Jürgen Gutowski, Publizist @ 11:18

Sagte ich “Das Leben des Brian”? Ja, klar, Brian Jones und die Stones haben mir den Arsch bewegt (siehe 1. Eintrag ganz unten). Und die politisch korrekte Mähne flog nur so zu “Satisfaction”! Auch wenn mir das irgendwie, so rein Sinn-des-Lebens-mäßig, nicht ganz die volle Befriedigung bescherte. Das war alles super zum Wegtanzen und zum Vergessen des Heimathauses an letzter Position einer Sackgasse im norddeutschen Flachland, aber die poetischen Killer, die mir das Herz durchbohrten, trugen doch andere Namen. Liebeskummerbedingte Moody Blues zum Beispiel, die mir trotz gestärkter Bettwäsche mit ganzjähriger Kühlungsgarantie wohlige ““Nights In White Satin“” bescherten. Nachts, heimlich, RTL-Radio auf Mittelwelle. Oder der unvergessene Jim Croce mit seiner unübertroffenen Flaschenpost ““Time In A Bottle“”. Oder Aphrodite’s Child mit ihrem Malocher-Mitfühl-Song „“It’’s Five O’’Clock… and I walk through the empty streets”“. Und natürlich diese erschütternden Winnetou-Melodien von Martin Böttcher! Sowas schlug bei mir ein wie ein Meteorit. Heute Leonard Cohen, morgen Creedence Clearwater Revival, übermorgen (wenn auch nur kurz) Reinhard Mey, Bruce Springsteen…… Diese Musikanten und viele andere kamen und gingen, lebensphasenweise waren sie wichtig für mich, dann verblassten sie wie ““A Whiter Shade Of Pale“” (Prokel hier rum, prokel da rum: Procul Harum). In Herz, Hirn und Bauch geblieben über Jahre und Jahrzehnte sind nur wenige. Klaus Hoffmann zum Beispiel, mein Seelenbruder, der mich nun schon seit 30 Jahren begleitet und der wie kein anderer die Kunst beherrscht, mir das Wort aus dem Mund zu nehmen. Ich bin davon überzeugt, dass Klaus der bedeutendste zeitgenössische Poet deutscher Sprache ist. Ein Klick auf seine Webseite, und schon ertönt der klingende Beweis für diese Behauptung:

www.klaus-hoffmann.com

Zum Glück habe ich selber auch schon Songs geschrieben, bevor ich Hoffmann kennenlernte, ich hatte also immer schon gewissermaßen meine eigene Sprache. Aber ich kann nicht abstreiten, dass Klaus und sein ozeantiefer Blues und auch seine lachtränenreiche Albernheit mich enorm geprägt haben. Was uns als Text- und Musikschaffende, die man ja gerne als “Liedermacher” schubladisiert, verbindet, ist eher die Inszenierung innerer Landschaften als der Abgesang auf ihre blühenden Gegenstücke. “Botschafter für innere Angelegenheiten”, mal als Witzbold, mal als Soul Man, das ist auch mein Berufsziel. Ich bin jetzt gerade im 25. Lehrjahr. Mal sehen, ob ich es zum Gesellenstück und vielleicht irgendwann einmal auch zu einem Meisterstück bringe. In Michael Bertrams Sound-Werkstatt in Göttingen feilen wir gerade an meinen Stücken. Ob dabei ein heißes Eisen geschmiedet wird? – Mal sehen…

Hier ist einer meiner neuen Songs:

 

ICH UND DU

words & vocals: Jürgen Gutowski

music & mix: Michael Bertram


© 2011 mb recording

6.7.2011

Ausbeutung freier Journalisten

Filed under: Lebensgeschichten — Jürgen Gutowski, Publizist @ 10:59

Wer sich heute für den Journalistenberuf entscheidet, sollte sich die real existierende Medienszene genau anschauen. Immer mehr Verlage entlassen massenweise Redakteure, sourcen aus oder machen gleich ganz zu. Nun will der Verlegerverband die Gehälter aller neu eingestellten Redakteure um 30 % senken. Die Gewerkschaften laufen Sturm dagegen, und es bleibt abzuwarten, wie die Preise am Ende aussehen werden.

Noch brutaler gehen viele Verlage jedoch mit ihren freien Autoren und Fotografen um, die Honorarsätze stürzen ins Bodenlose, vom Wort allein kann so gut wie kein Schreiber mehr oberhalb des Existenzminimums leben, geschweige denn eine Familie ernähren.

Zur Veranschaulichung poste ich heute einen aktuellen Mailwechsel zwischen einem Zeitschriftenverlag und mir. Die Redaktionsleiterin schrieb gestern (5. Juli 2011) an alle freien Mitarbeiter:

Liebe Kollegen und Partner,

ab September haben wir ein weiteres Kundenmagazin übernommen. Sxxxxxxxx wird vier Mal im Jahr erscheinen. Das Konzept ist ähnlich dem von UxxxxxXxxx, der Umfang des Magazins ist geringer.

Die Umsetzung von Sxxxxxxxx würde ich gerne mit Ihrem/Euren journalistischen Input leisten.  Dafür würde ich einige Beiträge gerne in der Zweitverwendung veröffentlichen und andere nach Bedarf auch neu beauftragen. Für die Zweitverwendung würde ich ein Honorar in Höhe von 10 % des UxxxxxXxxx-Honorars anbieten und für neu beautragte Beiträge bei den aus UxxxxxXxxx-bekannten Honorarsätzen bleiben. Die gleiche Regelung würde ich auch für die für Sxxxxxxxx beauftragten Beiträge wählen, wenn diese in UxxxxxXxxx veröffentlicht würden.

Was halten Sie/Ihr davon?

Über eine positive Rückmeldung würde ich mich sehr freuen

Beste Grüße

Xxxxxx Xxxxx

Redaktionsleiterin

XxX Verlag e.K.
Xxxxxxx-Xxxxx-Str. XX
5XXXX Lxxxxxxxxx
Germany
Tel. +49 (0)2XXXXXXXXX
Fax +49 (0)2XXXXXXXXX
mailto:xxxxxxx@xxx-xxxxxx.xx

Meine Antwort:

Liebe Frau Xxxxx,

da Sie mir außerordentlich sympathisch sind und ich davon ausgehe, dass diese denkwürdige “10%-Idee” nicht von Ihnen stammt, nehmen Sie die folgenden Bemerkungen bitte nicht persönlich, sondern leiten Sie sie einfach weiter an den/die Verantwortlichen in Ihrem Hause:

Sie fragen, was ich davon halte, meine Beiträge für Sxxxxxxxx als “Zweitverwertung” für 10 % des XxxxxxXxxx-Honorars zu verkaufen. Ich habe im ersten Moment nur gelacht angesichts der XxxxxxXxxx-Honorare, die ja ohnehin schon niedriger sind als jede mir bekannte Zweitverwertungsmöglichkeit. Denn nirgends wird man für eine Erstverwertung mit 100-200 Euro “entlohnt”. 10 % von diesen Preisen bedeutet dann ein Honorar von 10-20 Euro oder so für eine komplette Story, und für ein Foto gibts dann noch 2,50 bzw. in meinem Fall 5 Euro… Eigentlich ist Ihr Ansinnen ein Fall für DJV und ver.di sowie für diverse Social Media Kanäle! Denn diese Preise sind nichts anderes als pure Ausbeutung. Zumal es sich bei Ihren Zeitschriften um Kundenzeitschriften handelt, die normalerweise immer sehr viel besser honorieren als normale Tageszeitungen o.ä. Oder ist es beim XxX-Verlag sogar schon soweit gekommen, dass man aus der Bedürftigkeit mancher Journalisten ein Geschäftsmodell entwickelt hat? Frei nach dem Motto: “Irgendein armes Schwein wird es schon für ein Almosen machen!” ???

Ich nehme diese Anfrage zum Anlass, meine Zusammenarbeit mit Ihrem Hause umgehend zu beenden! Dies betrifft meine Autorenschaft genauso wie meine Bemühungen, dem Verlag neue Werbekunden zuzuführen. Angesichts von Preisen von 20.000 Euro für ein paar Seiten Advertorial oder “Special” ist Ihre geplante Honorierung freier Mitarbeiter eine einzige Frechheit, um nicht zu sagen: ein Schlag ins Gesicht und das Ende jeder beruflicher und kollegialer Wertschätzung!

Mit freundlichen Grüßen
Jürgen Gutowski

Die Redaktionsleiterin antwortete heute:

Lieber Herr Gutowski,

ich bin sehr froh, dass Sie mir das nicht persönlich zur Last legen. Denn die Einstellungen zur Honorierung der Journalisten gehen hier sehr stark auseinander.

Ich finde es sehr schade, dass Sie unsere Zusammenarbeit als beendet sehen, kann es aber gut verstehen.

Ich hoffe, dass wir vielleicht an anderer Stelle nochmal zusammen kommen und wünsche Ihnen alles Gute

Viele Grüße

Xxxxxx Xxxxx

 

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